Warum fühlen sich Frauen ab 60 manchmal nicht mehr erfüllt?
20. Juli 2026Warum fühlen sich Frauen ab 60 manchmal nicht mehr erfüllt?
11. September 2026„Eigentlich geht es mir doch gut. Und trotzdem fühle ich mich manchmal so leer.“
Diesen Satz höre ich immer wieder von Frauen, die zu mir kommen.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch.
Von außen sieht alles gut aus. Die Kinder sind erwachsen, beruflich wird es etwas ruhiger und plötzlich ist da etwas, wonach wir uns eigentlich so viele Jahre gesehnt haben:
Zeit.
Zeit für uns.
Und genau mit dieser neu gewonnenen Zeit umzugehen, ist manchmal gar nicht so einfach.
Viele Frauen sagen zu mir:
„Ich müsste doch eigentlich glücklich sein. Ich habe doch jetzt alles, was ich mir immer gewünscht habe. Und trotzdem fehlt mir etwas.“
Ich kann dieses Gefühl sehr gut nachvollziehen.
Auch ich stelle mir immer wieder die Frage:
Ist das Leben, das ich gerade lebe, wirklich das Leben, das ich leben möchte?
Und:
Was möchte ich eigentlich mit der Zeit anfangen, die jetzt noch vor mir liegt?
Warum kann sich das Leben ab 60 plötzlich leer anfühlen?
Eigentlich ist Zeit doch ein großes Privileg des Älterwerdens. Und trotzdem ist Zeit allein noch kein erfülltes Leben.
Denn unser Leben verändert sich.
Die Kinder gehen ihren eigenen Weg. Wir treten beruflich etwas kürzer oder gehen in den wohlverdienten Ruhestand. Aufgaben, die unseren Alltag über Jahrzehnte geprägt und ihm Struktur gegeben haben, fallen vielleicht weg. Beziehungen verändern sich. Gesundheitliche Herausforderungen können hinzukommen oder das Leben verläuft einfach anders, als wir es uns vorgestellt haben.
Und plötzlich stellt sich eine neue Frage:
Was ist jetzt eigentlich für mich wichtig?
Ich glaube, dass viele von uns erst einmal lernen dürfen, gut mit dieser neu gewonnenen Zeit und Freiheit umzugehen.
Was macht ein erfülltes Leben im Alter aus?
Auf der Suche nach Antworten habe ich mich intensiv mit der Positiven Psychologie beschäftigt. Dabei habe ich etwas Wichtiges erkannt:
Wir brauchen mit 60 oder 70 mehr als nur ein gut organisiertes Leben.
Wir möchten spüren, dass unser Leben weiterhin bedeutsam ist.
Dass wir etwas beitragen können.
Wir möchten uns entwickeln, neugierig bleiben, Menschen begegnen und Dinge tun, die uns persönlich wichtig sind.
Früher waren wir oft für unsere Kinder, unseren Beruf und unsere Familie da. Unser Alltag war ausgefüllt und manchmal sogar überfüllt.
Wenn sich diese Aufgaben verändern, dürfen wir uns fragen:
Was gibt meinem Leben heute Sinn, Freude und Bedeutung?
Die zweite Lebenshälfte bewusst gestalten
Wir werden sehr unterschiedlich alt.
Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, älter zu werden.
Aber ich wünsche mir, dass wir unseren ganz persönlichen Weg bewusst gestalten.
Ich bin 72 Jahre alt. Auch mein Leben ist bei weitem nicht immer geradlinig verlaufen. Es gab Veränderungen, Trennungen, Rückschläge und Phasen, in denen mein Körper einfach nicht mehr so funktioniert hat, wie ich es gewohnt war. Auch ich musste lernen, mit diesen Veränderungen umzugehen.
Im Laufe der Jahre ist mir klar geworden, dass es immer wieder Veränderungen geben wird, die ich akzeptieren muss.
Was mir heute hilft, ist, meinen Blick nicht nur darauf zu richten, was nicht mehr geht, sondern auch auf das, was alles da ist – und mich immer wieder zu fragen:
Was ist noch alles möglich?
Worauf freue ich mich?
Was möchte ich noch lernen oder ausprobieren?
Welche Menschen sind mir wichtig?
Und wie möchte ich die Jahre gestalten, die noch vor mir liegen?
Was macht mich persönlich glücklich?
Für mich bedeutet erfüllt älter zu werden nicht, immer nur nach Genuss zu streben.
Natürlich genieße ich es, in den Urlaub zu fahren, gut essen zu gehen oder einen gemütlichen Abend auf der Couch zu verbringen.
Aber all das genieße ich viel mehr, wenn ich gleichzeitig das Gefühl habe, dass ich immer noch einen Beitrag leisten und etwas bewegen kann.
Wenn ich Menschen begleiten durfte. Wenn ich meine erwachsenen Töchter unterstützen konnte. Oder wenn ich etwas getan habe, das mir persönlich wirklich wichtig ist.
Den ganzen Tag mit einem Cocktail in der Hängematte zu liegen, würde mich auf Dauer nicht glücklich machen.
Ich möchte weiterhin lernen. Ich möchte mich bewegen. Ich möchte Menschen begegnen und neugierig auf das Leben bleiben.
Wie können wir nach 60 mehr Lebensfreude finden?
Ich glaube nicht, dass ein erfülltes und glückliches Leben einfach irgendwann an unsere Tür klopft.
Vielleicht geht es auch darum, hin und wieder die Ärmel hochzukrempeln für etwas, das uns wichtig ist.
Für unsere Gesundheit. Für eine Beziehung. Für eine neue Aufgabe. Oder vielleicht für einen Wunsch, den wir schon lange mit uns herumtragen.
Ich wünsche mir für uns Frauen, dass wir unsere zweite Lebenshälfte selbstbewusst in die Hand nehmen.
Wir haben heute so viele Möglichkeiten, unser Leben zu gestalten. Vielleicht mehr als jede Generation vor uns.
Ich wünsche mir, dass wir offen bleiben. Dass wir uns auch mit 60, 70 oder 80 noch trauen, etwas Neues auszuprobieren und unsere Komfortzone zumindest hin und wieder zu verlassen.
Und gleichzeitig dürfen wir akzeptieren, dass manches nicht mehr so ist wie früher.
Akzeptanz und Neugier.
Loslassen und Neues beginnen.
Dankbarkeit für das, was war, und Freude auf das, was noch kommt.
Denn die zweite Lebenshälfte ist nicht der Anfang vom Ende.
Sie ist eine weitere Lebensphase – mit Zeit und Raum, um das eigene Leben noch einmal ganz bewusst zu gestalten.
Neugierig bleiben auf das, was noch kommt
Ja, das Leben verändert sich. Unser Körper verändert sich. Unsere Aufgaben verändern sich.
Und ich glaube, genau darin liegt auch eine große Chance.
Wir dürfen lernen, gut mit diesen Veränderungen umzugehen.
Wir dürfen uns fragen, was uns heute wirklich wichtig ist.
Und wir dürfen neugierig bleiben auf das, was noch vor uns liegt.
Denn ich bin fest davon überzeugt:
Ein erfülltes Leben hat kein Verfallsdatum.
Mein Impuls für dich
Nimm dir heute einen Moment Zeit und stelle dir eine einzige Frage:
Wie möchtest du alt werden?
Nicht: Was erwarten andere von mir?
Nicht: Was sollte man in meinem Alter tun?
Sondern:
Was fühlt sich für mich richtig und gut an?
Vielleicht hast du darauf sofort eine Antwort. Vielleicht braucht sie auch ein bisschen Zeit.
Ich wünsche mir von Herzen, dass wir uns auch mit 60, 70 oder 80 noch auf unser Leben freuen können.
Dass wir lieben, lachen, uns bewegen und neugierig bleiben.
Denn da ist noch so viel Leben vor uns.

